Projektvorbereitung 12 Min. Lesezeit Stand: 2026-03-01

Checkliste Photovoltaik-Planung 2026: Schritt für Schritt zum schlüsselfertigen Projekt

Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition für 25 bis 30 Jahre. Wer vor der Einholung von Angeboten die technischen Randbedingungen seines Hauses methodisch erfasst, vermeidet teure Nachträge, fehlerhafte Dimensionierungen und böse Überraschungen beim Netzanschluss.

1. Phase: Gebäude- & Dacheigenschaften prüfen

Die Grundlage jeder seriösen Solarplanung ist die bauliche Eignung des Daches. Bevor Sie den ersten Solarteur kontaktieren, sollten Sie folgende Punkte an Ihrem Gebäude dokumentieren: - **Dachalter & Eindeckung:** Liegt das Alter der Dacheindeckung über 25–30 Jahren, sollte eine Neueindeckung oder Sanierung vor der Solarmontage erwogen werden. Eine spätere Demontage der PV-Module für eine Dachsanierung verursacht erhebliche Zusatzkosten von 2.000 bis 4.500 Euro. - **Asbestfreiheit:** Bei Gebäuden mit Baujahr vor 1993 muss sichergestellt sein, dass keine asbesthaltigen Faserzementplatten (z. B. Eternit) verbaut sind. Die Montage von PV-Anlagen auf asbesthaltigen Dächern ist nach Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) strikt verboten. - **Dachstatik & Sparren:** Bei älteren Holzdachstühlen sollte die statische Tragfähigkeit geprüft werden. PV-Aufdachanlagen bringen ein Zusatzgewicht von 15 bis 25 kg/m² mit sich (bei Flachdach-Aufständerungen mit Ballastierung sogar 25 bis 45 kg/m²).
Vor-Ort-Prüfliste
  • Alter und Zustand der Ziegeleindeckung / Unterspannbahn dokumentiert
  • Dachmaße (Länge, Breite, Firsthöhe, Traufhöhe) grob vermessen
  • Keine asbesthaltigen Baustoffe vorhanden
  • Dachneigung (Grad) und Himmelsausrichtung (Azimutwinkel) bestimmt
⚠️ Wichtiger Praxishinweis: Praxistipp: Fotografieren Sie das Dach aus verschiedenen Blickwinkeln vom Boden aus sowie die Dachstuhlkonstruktion von innen.

2. Phase: Elektroinstallation & Zählerschrank (TAB-Konformität)

Der Zählerschrank ist der Dreh- und Angelpunkt der PV-Integration. In vielen Altbauten entspricht die vorhandene Elektroverteilung nicht mehr den geltenden Technischen Anschlussbedingungen (TAB) der Verteilnetzbetreiber und den VDE-Normen (VDE-AR-N 4105, DIN VDE 0100-712): - **Zählerplatz-Freiraum:** Für eine netzgekoppelte PV-Anlage ist ein normgerechter Zählerplatz mit APZ-Feld (Abschlusspunkt Zählerplatz) und RfZ (Raum für Zusatzanwendungen) vorgeschrieben. - **Selektiver Hauptleitungsschutzschalter (SLS):** Veraltete Neozed-Sicherungen im ungemessenen Vorzählerbereich müssen durch einen modernen SLS-Schalter ersetzt werden. - **Überspannungsschutz (SPD Typ 1+2):** Sowohl auf der AC-Seite im Zählerschrank als auch auf der DC-Seite vor dem Wechselrichter ist ein normgerechter Überspannungsschutz vorgeschrieben. - **Haupterdung & Potenzialausgleich:** Ein funktionierender Fundamenterder oder Tiefenerder mit Potenzialausgleichsschiene ist zwingende Voraussetzung für den sicheren Betrieb.
Vor-Ort-Prüfliste
  • Zählerschrank fotografiert (Gesamtansicht bei geöffneter Tür, Zählerfeld, Beschriftung)
  • Freie Zählerplätze oder Nachrüstbarkeit für APZ-Feld geprüft
  • Erdungsleitung und Potenzialausgleichsschiene im Hausanschlussraum lokalisiert
  • Leitungswege vom Dach ins Untergeschoss/Hauswirtschaftsraum vorgeprüft
⚠️ Wichtiger Praxishinweis: Achtung: Muss der Zählerschrank komplett erneuert werden, fallen hierfür typischerweise 1.500 bis 3.000 Euro an. Klären Sie diesen Posten vorab verbindlich.

3. Phase: Dimensionierung nach Verbrauchsprofil & Zukunftslasten

Eine veraltete Faustregel lautete: «Die PV-Anlage so klein wie möglich für den aktuellen Haushaltsstrom dimensionieren». Unter den heutigen Rahmenbedingungen (niedrige Modulpreise, Wärmepumpen-Umstellung, Elektromobilität) gilt jedoch: **Das Dach sinnvoll voll belegen.** - **Aktueller Jahresstromverbrauch:** Erfassen Sie den Haushaltsstrom der letzten 3 Jahre anhand Ihrer Stromabrechnungen. - **Zukunftslasten einplanen:** - Wärmepumpe: ca. 3.000 bis 6.000 kWh/Jahr zusätzlicher Strombedarf. - E-Auto (bei 15.000 km Fahrleistung): ca. 2.500 bis 3.500 kWh/Jahr. - Klimatisierung / Brauchwasser-Wärmepumpe: ca. 500 bis 1.200 kWh/Jahr. - **Speichergröße optimieren:** Die wirtschaftlichste Speichergröße liegt in der Regel bei **1 kWh Speicherkapazität pro 1.000 kWh Jahresstrombedarf** bzw. 0,8 bis 1,2 kWh Speicher pro kWp PV-Leistung. Ein überdimensionierter Speicher verteuert das System und wird im Winter nicht voll.
Vor-Ort-Prüfliste
  • Stromabrechnungen der letzten Jahre zusammengestellt
  • Geplante Großverbraucher (Wärmepumpe, Wallbox, Klimaanlage) mit Leistungsbedarf notiert
  • Dachfläche maximal ausnutzen (kWp-Obergrenze erst ab 30 kWp steuerlich relevant)
  • Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad realistisch simuliert

4. Phase: Angebote strukturieren & neutral vergleichen

Holen Sie mindestens 3 Angebote von regionalen und überregionalen Fachbetrieben ein. Achten Sie auf eine transparente Aufschlüsselung der Komponenten: 1. **Modulhersteller & Typ:** N-Type TOPCon oder HJT-Technologie mit mindestens 25 Jahren linearer Leistungsgarantie und 15–25 Jahren Produktgarantie. 2. **Wechselrichter:** Hersteller (z. B. SMA, Fronius, Sungrow, Huawei), Hybridfähigkeit (integrierter Speicheranschluss), Anzahl der MPP-Tracker und Garantiedauer. 3. **Montagesystem:** Hersteller (z. B. K2 Systems, Schletter, Novotegra), Dachhaken-Material (Edelstahl/Aluminium) und statischer Nachweis. 4. **Elektroinstallation & Netzanmeldung:** Ist die vollständige Dokumentation, Inbetriebnahme und Anmeldung beim Verteilnetzbetreiber (VNB) sowie im Marktstammdatenregister (MaStR) im Festpreis enthalten? 5. **Gerüst & Arbeitsschutz:** Entspricht das Angebot den UVV-Vorschriften (BG Bau) inklusive Fassadengerüst und Dachfangnetz?
Vor-Ort-Prüfliste
  • Mindestens 3 detaillierte Angebote mit Einzelpositionen vorliegen
  • Alle Garantien (Produkt-, Leistungs- und Montagegarantie) schriftlich fixiert
  • Verbindlicher Fertigstellungstermin und Zahlungsplan nach Baufortschritt vereinbart
  • Keine 100%ige Vorkasse vor Materiallieferung
Formular PV-2026 // Faisabilité & Dossier

Projekt vorbereiten: In 6 Schritten zum PV-Dossier

Schritt 1 von 6
01 // Gebäude

Um welche Art von Immobilie handelt es sich?

Die Bauart bestimmt die zulässigen Installationssysteme und Montagearten.

Technischer FAQ-Katalog

Häufige Fragen zu PV-Planungs-Checkliste 2026

Wichtige Antworten zu Faisabilité, Zählerplatz, Speicher und Angebotsvergleich

Q1 Wie lange dauert die Vorbereitung und Installation einer PV-Anlage?

Die Planungs- und Angebotsphase dauert typischerweise 2 bis 6 Wochen. Nach Auftragserteilung benötigt die Materialbeschaffung und Montage meist 4 bis 12 Wochen. Die eigentliche Dach- und Elektromontage vor Ort ist meist in 2 bis 4 Arbeitstagen abgeschlossen.

Q2 Lohnt sich eine PV-Anlage auch auf einem Ost-West-Dach?

Ja, absolut. Ein Ost-West-Dach liefert im Vergleich zu einer reinen Südausrichtung eine gleichmäßigere Stromerzeugung über den gesamten Tag verteilt (Morgensonne auf Ost, Abendsonne auf West). Dadurch lässt sich der Eigenverbrauch im Haushalt oft sogar besser ohne großen Speicher abdecken.

Q3 Muss ich ein Gewerbe für meine private PV-Anlage anmelden?

Für private PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern bis 30 kWp entfällt seit dem Jahressteuergesetz 2022 die Einkommensteuer auf den erzeugten Strom. Zudem gilt der Nullsteuersatz (0 % Mehrwertsteuer) beim Kauf. Eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt ist für private Dachanlagen in den meisten Bundesländern nicht mehr erforderlich.

Q4 Welche Dokumente brauche ich für die Netzanmeldung?

Benötigt werden: Lageplan des Gebäudes, Datenblätter der Module und des Wechselrichters, Einheitenzertifikate nach VDE-AR-N 4105, Übersichtsschaltplan (Einpoliges Schaltbild) sowie das Inbetriebsetzungsprotokoll des eingetragenen Elektro-Installateurs.